Wenn Figuren ein Eigenleben entwickeln

Leben meine Figuren eigentlich weiter?
Manchmal glaube ich, dass meine Figuren ein kleines Eigenleben führen.
Natürlich weiß ich, dass sie nicht wirklich irgendwo in Lütjenhafen sitzen und ihren Alltag verbringen. Aber wenn man über längere Zeit mit denselben Figuren arbeitet, entwickeln sie irgendwann eine erstaunliche Vertrautheit.
Ich weiß, wie Corinna auf bestimmte Situationen reagieren würde. Ich kann mir vorstellen, was Jan sagen könnte oder wie Hannah auf etwas reagieren würde. Und manchmal entstehen in meinem Kopf plötzlich kleine Szenen, obwohl ich gerade eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftigt bin.
Gedanken, die bleiben
Manche dieser Gedanken verschwinden genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Andere bleiben.
Dann frage ich mich, wie sich das Leben meiner Figuren weiterentwickeln könnte. Welche kleinen und großen Dinge noch passieren könnten. Welche Geschichten vielleicht noch irgendwo zwischen den bereits erzählten Kapiteln liegen.
Und irgendwann kommt der Gedanke: Vielleicht sollte ich das aufschreiben.
Nicht jede Idee wird deshalb automatisch zu einem neuen Buch. Manche bleiben einfach kleine Momentaufnahmen in meinem Kopf. Andere entwickeln sich weiter und werden irgendwann so konkret, dass ich sie nicht mehr loswerde.
Vielleicht gibt es noch mehr zu erzählen
Bei Corinna und ihrer Familie habe ich jedenfalls manchmal das Gefühl, dass die Geschichten in meinem Kopf noch nicht ganz zu Ende erzählt sind.
Das bedeutet nicht, dass ich heute schon sagen kann, ob daraus tatsächlich ein weiteres Buch entstehen wird. Einen fertigen Plan gibt es an dieser Stelle nicht.
Aber ich kenne meine Figuren inzwischen gut genug, um zu wissen, dass sie manchmal ihre eigenen Vorstellungen davon haben, wann eine Geschichte wirklich vorbei ist.
Vielleicht kommt irgendwann der Moment, an dem ich merke: Diese Geschichte möchte erzählt werden.
Dann werde ich mich vermutlich hinsetzen und sie aufschreiben.
Bis dahin lasse ich Corinna, Jan, Hannah und die anderen einfach noch ein bisschen in meinem Kopf weiterleben.
Denn manchmal ist genau das der Anfang einer neuen Geschichte.
